SYNTH LUMINA

SYNTH LUMINA

Analoges Licht im Digitalzeitalter


Ein technoides Ritual aus Licht, Klang und Vergangenheit  


SYNTH LUMINA ist eine Hommage an die Ästhetik des Analogen im digitalen Zeitalter – ein hybrides Lichtkunstwerk, das verwaiste Bühnentechnologien zu neuem Leben erweckt. Durch die Verschmelzung von physischer Intensität alter Scheinwerfer und der präzisen Steuerung moderner Lichtprogrammierung entsteht ein immersives Environment, das Techno-Klänge in greifbare Raumschichten übersetzt.  


Technologische Archäologie & Materialität


Im Kern des Werks stehen Geräte, die einst die Clubs und Theater der 1990er-Jahre dominierten, heute aber als „obsolet“ gelten:  

- Despar Integra LHGL mit originalen 35-Watt-Neonröhren, deren flackerndes, organisches Licht einen Kontrast zur klinischen Härte digitaler Systeme bildet. Die geringe Leistung der Röhren – ein Relikt vor-LED-Ära – schafft flirrende Texturen, die an die Analog-Pioniere der 1980er erinnern.  

- Strand 1kW Stufenlinsen mit Fresnel-Optik, die durch ihre weiche, warme Ausleuchtung und sanfte Übergänge einen fast „taktilen“ Lichtteppich weben. Die Fresnel-Linse bricht das Halogenlicht in milde Gradienten und verwandelt den Raum in ein Feld aus Schatten und Goldtönen.

- Martin Mac700, deren Motoren und Goboräder trotz ihres Alters präzise Bewegungssequenzen vollführen, gesteuert von der MA GrandMA1 (einem Pionier-DMX-Controller, der hier als „Dirigent“ fungiert).  


Kein LED-Licht durchbricht die Dunkelheit – stattdessen erzeugen Glühbirnen, Neon und Halogen eine Wärme, die den Raum in einen technoiden Organismus verwandelt. Die Scheinwerfer werden zu Protagonisten: Ihr Surren, Knacken und Flackern verschmilzt mit der Musik zu einem symbiotischen Audiovisuellen Code.  


Klänge & Synästhesie


Die elektronische Musik – teils eigene Recordings aus dem Studio in Holz, teils kollaborative Beats befreundeter Künstler:innen – dient als treibende DNA. Bassfrequenzen lösen Lichtimpulse aus, während High-Hats die Neonröhren der Despar-Integra Lampen zum Pulsieren bringen. Die GrandMA1 übersetzt MIDI-Signale in Echtzeit in Lichtbewegungen, sodass sich Klangtexturen direkt in räumliche Muster verwandeln: Ein Bassdrop wird zum rapiden Sweep der Mac700, ein Synthesizer-Glissando zum blitzenden Spektakel der Neonröhren.  


Konzept & Statement  


SYNTH LUMINA hinterfragt die Wegwerfkultur der Technologie-Industrie. Indem es „ausrangierte“ Geräte zu einer hypermodernen Installation recycelt, feiert es das Potenzial des Vergangenen. Die 35-Watt-Neonröhren und die Strand-Fresnel-Linsen – einst Standard, heute Nischenmaterial – werden hier zu Trägern einer Ästhetik, die Effizienz zugunsten von Atmosphäre ignoriert.  


Inspiriert von großen Lichtpionieren wie Christopher Bauder (Berlin), der digitale Präzision mit menschlicher Zerbrechlichkeit verbindet, schaffen Kuhn und Teddy eine Brücke zwischen Clubgeschichte und Zukunftsvision. Das Verschwinden von Orten wie der MAUKE treibt sie an: „Jede ausradierte Club-Location ist ein verlorenes Archiv. Mit SYNTH LUMINA bauen wir diese Archive aus Licht neu auf – als Mahnmal und Feier zugleich.“   



Künstlerische Herkunft & Kollaboration


Hinter SYNTH LUMINA steht der Lichtdesigner Philipp Kuhn, seit 2015 in der Eventbranche aktiv und Spezialist für die Transformation historischer Bühnentechnik in zeitgenössische Kunst. Unterstützt wird er von seinem langjährigen Freund Pascal vom Schemm („Teddy“), der als Techniker und Mitdenker die Brücke zwischen analoger Mechanik und digitaler Steuerung schlägt. Die beiden verbindet eine gemeinsame Faszination für die Poesie veralteter Maschinen – eine Partnerschaft, die bereits in früheren Projekten in Wuppertal sichtbar wurde.  


Ihre künstlerische DNA formte sich in der Techno-Szene: Kuhn und Teddy waren maßgeblich für das Lichtkonzept der legendären MAUKE in Wuppertal verantwortlich, einst Deutschlands kleinster Techno-Club, der mit minimalistischer Ästhetik und puristischer Hingabe zur Subkultur wurde. Die MAUKE, heute selbst ein Opfer des Sterbens der Clubkultur, war ein Labor für experimentelle Licht-Sound-Interaktionen – ein Erbe, das in SYNTH LUMINA weiterlebt.  


„Unsere Arbeit ist ein Statement gegen das Vergessen“, sagt Kuhn. „Jeder Scheinwerfer hat eine Geschichte – in Clubs, auf Tourneen, in Theatern. Diese Geschichten wollen wir hör- und sichtbar machen.“ 


Erfahrungsraum


Betretende tauchen ein in eine Arena, in der Licht nicht nur sichtbar, sondern spürbar wird – die Hitze der 1kW-Lampen, das Vibrieren der Motoren, das Flackern des Neons. Die Fresnel-Linsen der Strand-Scheinwerfer schaffen einen Raum voller Kontraste: Während die Neonröhren der Despar Integra fragmentierte Blitze werfen, flutet das warme Streulicht der Stufenlinsen die Umgebung in einen sanften Amber-Ton.  


Es ist ein Ritual zwischen Mensch und Maschine, bei dem die Grenzen zwischen Performance, Installation und Clubkultur verschwimmen – ein Echo jener Nächte in der MAUKE, als Techno noch ein kollektives Widerstandsmedium war. SYNTH LUMINA ist kein passives Werk, sondern ein lebendiger Organismus – ein technoides Feuer, das nur so lange brennt, wie die alten Geräte es tragen.  


„Was obsolete Technik kann? Sie kann uns erinnern – und zugleich vergessen lassen, was ‚neu‘ bedeutet.“  

– Philipp Kuhn, technoide Lichtkunst